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Wer soll das bezahlen? Wer hat so viel Geld?

Strompreiserhöhungen werden derzeit fälschlicherweise nur in Verbindung mit dem erfolgreichen Ausbau der Erneuerbaren in den Medien dargestellt. Dass die Förderung der Erneuerbaren nur einen kleinen Anteil an der Strompreisgestaltung hat, wird gezielt verschwiegen.

Die Verbraucher zahlen bei ihrem Grundversorger für jede verbrauchte Kilowattstunde im Durchschnitt ca. 25 Cent. Die günstig produzierenden erneuerbaren Energien liefern heute schon 25 Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms. Dank ihres preisdämpfenden Effektes sinken die Börsenstrompreise seit 2009 stetig: An der Leipziger Strombörse wird die Kilowattstunde derzeit für ca. 5 Cent gehandelt (zur Zusammensetzung des Endkundenpreises vgl. FÖS-Studie „Was Strom wirklich kostet“). Berechnungen gehen davon aus, dass die durch erneuerbare Energien vermiedenen Strombezugskosten und der glättende Einspeiseeffekt sich auf ca. 6 Milliarden Euro pro Jahr summieren. Enorme Einsparungen – und damit ein auskömmliches Geschäft für die Energieversorger, sollte man also meinen. Diese Einsparungen werden aber nicht an den Endverbraucher weitergegeben (siehe auch Kommentar Ubbo de Witt vom 24.8.12).

Durch die steigenden Energiepreise fühlt sich besonders die energieintensive Industrie bedroht. Obwohl jahrzehntelang großzügig entlastet und beschenkt, beklagen Großverbraucher die Bedrohung ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit durch „zu hohe Stromkosten“. Was dazu führt, dass der Verbraucher mittlerweile über 2.000 Unternehmen, die dank der „Besonderen Ausgleichsregelung“ von Steuerbegünstigungen, Befreiungen von der EEG-Umlage und Netzentgelten profitieren, mit fast einem Cent pro verbrauchter Kilowattstunde fördert.

Wichtige Bestandteile der aktuellen Strompreisdiskussion, die mehr und mehr zu einem Verteilungskampf wird, bleiben größtenteils unerwähnt: so die langjährige Subventionierung der konventionellen Energieerzeugung – 311 Milliarden Euro allein für die Förderung der Kohleindustrie, die Übernahme der Entsorgungsrisiken der Atomkonzerne durch den Steuerzahler oder die nach dem beschlossenen Atomausstieg eingehenden Klagen und Schadensersatzforderungen in Milliardenhöhe durch die Kraftwerksbetreiber E.ON und Co. Die Struktur der großen Energieversorger, der Dinosaurier der Erzeugung, benötigt einfach mehr Zeit, sich auf die notwendige Flexibilisierung der Verteil- und Versorgungsstrukturen auf der Basis erneuerbarer Energien einzustellen.

Da hilft natürlich auch die willkommene Initiative weiterer Verbündeter, wie der (wer vermutet schon Böses hinter diesem Namen) „Initiative für soziale Marktwirtschaft“, finanziert mit 7 Millionen Euro Jahresetat von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie. Diese finden es besonders sozial, gegen den erfolgreichen Mittelstand der erneuerbaren Energien und deren Erfolgsrezept, das EEG, zu agitieren. Mit der vordergründigen Forderung nach „mehr Markt“ werden alte Konzepte wie ein Quotenmodell wieder ins Gespräch gebracht. Langjährige Erkenntnisse darüber, dass der Strompreis in Ländern mit Quotenmodell teurer gehandelt wird und gleichzeitig eine eigene Industrie im erneuerbaren Energiebereich zerstört wird, werden ignoriert. Ebenso die Tatsache, dass eine vom Staat vorgegebene Quote wenig mit freier Marktwirtschaft zu tun hat. Oder dass Kohle, Atom und Co. nach 40-jähriger Subventionierung (bis heute) mit lange abgeschriebenen Kraftwerken einen enormen, staatlich finanzierten Wettbewerbsvorsprung haben.

Warum das Ganze? Wer soll das bezahlen? Wer hat so viel Geld? Wer profitiert von der Strompreislüge? Wer kann es sich leisten konsequent Erkenntnisse zu ignorieren, die den Verbraucher viel Geld kosten? Die Investitionen ignorieren, die pro installierte Kilowatt mehr Arbeitsplätze schaffen, als in zentralen Großkraftwerken möglich.

Ein Blick in die Bilanzen der großen Energieversorger ist vielleicht hilfreich. Hier ist es, wie seit Jahren in der Mineralölindustrie: Der Preis an der Zapfsäule steigt in ungeahnte Höhen, und der Gewinn der Konzerne auch. Die hohen Spritpreise haben ExxonMobil im vergangenen Jahr einen Traumgewinn von 41,1 Milliarden Dollar beschert, genug um zum Beispiel die Deutsche Bank zu kaufen. Angesichts der hohen Ölpreise vermeldete die ganze Branche zuletzt kräftige Gewinnsprünge. Die ebenfalls US-amerikanische Chevron kam „nur“ auf 26,9 Milliarden Dollar und erzielte damit einen Firmenrekord. ConocoPhillips meldete 12,4 Milliarden Dollar Gewinn.

Die Bundesnetzagentur dokumentierte die Entwicklung einzelner Strompreiskomponenten und es zeigt sich, dass die Gewinnmarge der Stromversorger von 2006 bis 2011 Gewinnmarge inkl. Vertrieb von 1,1 auf 8,2 Prozent angestiegen ist. E.ON, Deutschlands größter Energieversorger, verbucht beispielsweise im ersten Halbjahr 2012 von mehr als drei Milliarden Euro, eine Verdreifachung gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

„Wären die Firmen mit einer Gewinnsteigerung um das Fünffache zufrieden gewesen, hätte sich dank der gefallenen Netzkosten der Nettostrompreis nicht erhöht. Es wäre sogar eine Senkung des Nettotarifs drin gewesen, wenn die Versorger die seit 2009 kontinuierlich fallenden Einkaufspreise für den Strom auch an die Verbraucher weitergegeben hätten.“ (Oliver Ristau: Falsch eingepreist In: Erneuerbare Energien, September 2012)

Soviel zu der Frage: „Wer hat soviel Geld“!

 

Quellen und weiterführende Links:

<media 483>Artikel von Oliver Ristau: „Falsch eingepreist“ in: Erneuerbare Energien, September 2012</media>

Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft e.V. (FÖS) im Auftrag von Greenpeace Energy eG und Bundesverband WindEnergie e.V. (BWE): "Was Strom wirklich kostet"

Kurzgutachten: "Auswirkungen sinkender Börsenstrompreise auf die Verbraucherstrompreise" von Gunnar Harms im Auftrag von Bündnis 90/Die Grünen

BEE-Hintergrund zur EEG-Umlage 2013, Bundesverband Erneuerbare Energien e.V. (BEE)

Broschüre des WWF: Mythen und Fakten zur Rolle der erneuerbaren Energien in der Energiewende

"Erneuerbare Energien - der Sündenbock der Kohle- und Atomlobby" vom Umweltinstitut München e.V.

"Kosten für Erneuerbare können schon in diesem Jahr sinken" von Greenpeace e.V.

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